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Die geschichtliche Entwicklung

Die Anfänge
Die Barmherzigen Brüder mussten zwei Anläufe unternehmen, um ihr Krankenhaus in München dauerhaft zu etablieren. Von 1750 bis 1809 führten sie vor dem Sendlinger Tor das Hospital St. Max sowie eine angeschlossene Ärzteschule. Im Verlauf der Säkularisation wurde es vom Staat übernommen. Daraus entstand die Innenstadtklinik der Ludwig-Maximilian-Universität in der Ziemssenstraße (heute Medizinische Klinik und Poliklinik IV des Klinikum der Universität München).

Ca. 1908: Die ehemalige Gaststätte „Der Controlor“, die der Orden 1916 kaufte und die ab Oktober 1917 für die Einrichtung des Krankenhaus Barmherzige Brüder umgebaut wurde.

1916, mitten im Ersten Weltkrieg, gelang es dem Orden der Barmherzigen Brüder das Haus „Controlor“ am Südlichen Schlossrondell zu kaufen und auf diese Weise nach München zurückzukehren. Die ehemalige Gaststätte wollte man umbauen, Krankenzimmer und eine Kapelle sollten entstehen. Am 3. Oktober 1917 wurden die Räumlichkeiten übergeben und die Barmherzigen Brüder konnten mit dem Umbau beginnen. Die Patienten in den zur Verfügung stehenden 30 Betten waren anfangs ausschließlich Männer, die hauptsächlich urologische Betreuung fanden.

Aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Lage konnte sich das Krankenhaus zunächst nur langsam entwickeln. 1921 schloss man einen Belegungsvertrag mit der Landespolizei. Die Inflation brachte wieder einen Rückschlag. 1931 gelang es dann, das benachbarte Gebäude am Schlossrondell zu erwerben und mit Hilfe eines Verbindungstraktes eine Erweiterung auf 180 Betten zu verwirklichen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Krankenhaus 1939 zum Reservelazarett für Verwundete erklärt. 1942 legte jedoch einer der zahlreichen Fliegerangriffe den größten Teil der Klinik in Schutt und Asche. Sechs Menschen, darunter zwei Barmherzige Brüder, fanden den Tod. Unter beträchtlichen Mühen wurde der Betrieb notdürftig aufrechterhalten.

1955: Baustelle des neuen Bettentraktes für das Krankenhaus Barmherzige Brüder München

Nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau. 1955 konnten großzügigere Umbau- und Sanierungspläne realisiert werden. Es entstand der Bettentrakt an der Romanstraße. Ab 1956 verfügte das Haus bereits über 370 Betten. 1957 baute man die neue Krankenhauskirche.

1956: Feierliche Einweihung und Segnung des Neubaus des Krankenhauses Barmherzige Brüder an der Romanstraße 93.

Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwunges und gestiegener Ansprüche der Patienten wurde 1962 der Grundstein für ein weiteres Bettenhaus gelegt. Hinzu kamen 14 Operationssäle, Funktionsräume und ein Schwesternwohnheim. 1966 wurden von den inzwischen 585 Betten 120 der Bundeswehr pachtweise überlassen, die bis 1987 in Etappen wieder zurückgab. Wegen des großen Platzbedarfes der neuen medizinischen Geräte mussten zahlreiche Krankenzimmer in Funktionsräume umgewandelt werden.

Ca. 1959: Luftaufnahme des Krankenhauses Barmherzige Brüder mit der ab 1957 neuerbauten Krankenhauskirche.

1991 öffnete die Palliativstation St. Johannes von Gott als erste Palliativstation Bayerns ihre Pforten, ab 1993 ist sie in einem eigenen Gebäude untergebracht. Sie wurde baulich erweitert, um den durch den demographischen Wandel gestiegenen Bedarf zu decken, und verfügt dadurch seit Juni 2008 über insgesamt 32 Betten. Sie ist damit die größte Palliativstation Deutschlands.

Gartenansicht der 1991 eröffneten Palliativstation St. Johannes von Gott des Krankenhauses Barmherzige Brüder München.

Der im Rahmen der Gesamtsanierung des Hauses errichtete neue Funktionstrakt ging 1998 in Betrieb. 1999 nahm die Abteilung für Geriatrische Rehabilitation ihre Arbeit auf. Mit diesem weiteren Schwerpunkt reagierten die Barmherzigen Brüder damals gezielt auf die eingetretenen und zu erwartenden sozialen Veränderungen. Leider musste die Geriatrische Rehabilitation im Frühjahr 2014 nach 15 Jahren wieder geschlossen werden, da sie defizitär war und die Tagessätze den gestiegenen Personalkosten und Anforderungen in der Versorgung nicht adäquat angepasst wurden. Das Thema Geriatrie ist dem Haus aber ein großes Anliegen, weshalb im September 2014 innerhalb der Abteilung Innere Medizin I eine Akutgeriatrie mit 20 Betten eröffnet wurde.

Das Neue Jahrtausend
Um die 1.000 Mitarbeiter, davon über 170 Ärzte, betreuen und versorgen heute jährlich rund 49.000 Patienten ambulant und akut-stationär. Das Haus bietet sowohl ambulantes Operieren als auch prä- und poststationäre Behandlung und verfügt über eine täglich 24 Stunden besetzte interdisziplinäre Notfallambulanz. Die staatlich anerkannte Berufsfachschule für Krankenpflege, in der Gesundheits- und Krankenpfleger/innen auch fürs eigene Haus ausgebildet werden, wird seit Oktober 2004 gemeinsam mit der benachbarten Klinik Dritter Orden betrieben.

Gartenansicht des 2003 errichteten Bettenbaus des Krankenhauses Barmherzige Brüder München.

2003 wurde zur Verbesserung der räumlichen Situation ein neuer Bettenbau auf dem Terrain des alten OP-Traktes errichtet. Im April 2009 kommt eine Modulbaustation mit weiteren 18 Betten dazu. Mit der Fertigstellung eines Ärztehauses und eines Neubaus Ende 2009 fand die bauliche Erweiterung des Krankenhauses Barmherzige Brüder einen vorläufigen Abschluss. Im dem Neubau sind unter anderem eine Tagesklinik mit drei weiteren Operationssälen, der Labor- und der Verwaltungsbereich sowie die Funktionsdiagnostik untergebracht.

Den geplanten Ausbau des Leistungsspektrums läutete die Modernisierung und Umstrukturierung der Radiologie zur Klinik für „Diagnostische und Interventionelle Radiologie“ im Januar 2011 ein. Nach Abschluss eines Kooperationsvertrages zwischen dem Krankenhaus Barmherzige Brüder und dem Deutschen Herzzentrum München (DHZ) im März 2011 erfuhr die Klinik für Innere Medizin durch die Sektion Kardiologie eine Erweiterung. Mit der Eingliederung der Unfallchirurgie in die Abteilung Orthopädie, ebenfalls im Frühjahr 2011, entstand die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, innerhalb der die Unfallchirurgie als eigenständige Sektion geführt wird. Außerdem gehören zur Orthopädie seit Anfang 2014 die Departments Fußorthopädie, Schulterchirurgie, Sportorthopädie sowie das Department Wirbelsäule. Um das Versorgungsangebot für die Patienten weiter verbessern zu können, wurde die Innere Medizin zum Jahresbeginn 2013 umstrukturiert und in zwei eigenständige Kliniken aufgeteilt. Dadurch entstanden die Klinik für Innere Medizin I – Gastroenterologie, Hepatologie, Onkologie und Allgemeine Innere Medizin. Zur Inneren Medizin I gehört auch seit September 2014 das Department Akutgeriatrie. Die bisherige Sektion Kardiologie wird die Klinik für Innere Medizin II – Kardiologie, Pneumologie und Notaufnahme. Seit April 2013 steht diesem medizinischen Bereich auch ein hochmodernes Herzkatheterlabor für die Behandlung der Patienten zur Verfügung. Zu den Umstrukturierungsmaßnahmen gehörte auch die Ausgliederung der Physikalischen Therapie aus der Orthopädie. 2014 wurde dafür das Interdisziplinäre Therapie Team (ITT) gegründet, welches den Patienten aller Kliniken, Sektionen und Departments seitdem ein umfangreiches Therapiespektrum mit Physiotherapie, physikalischer Therapie, Ergotherapie und Logopädie bietet.

Im Juli 2014 wurde am Krankenhaus Barmherzige Brüder auch eine Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung SAPV eingerichtet. Das SAPV Team betreut schwerstkranke Patienten in ihrem häuslichen Umfeld und ermöglicht ihnen, bis zu ihrem Lebensende ihr Leben in Würde in ihrer vertrauten Umgebung zu verbringen.

Die Entwicklung des Krankenhauses Barmherzige Brüder München verläuft kontinuierlich weiter. Die Bauarbeiten für die nächsten Modernisierungsmaßnahmen haben bereits begonnen. So wird beispielsweise das alte Gebäude der Krankenpflegeschule im Osten der Klinik abgerissen, um dort einen Neubau zu errichten. Das Krankenhaus erhält eine erheblich vergrößerte Notaufnahme mit Aufnahmestation und eine neue Intensivstation. Teile des erst 2010 eröffneten Ärztehauses werden zu Krankenhausflächen, um Platz für eine Intermediate Care-Einheit, eine erweiterte zentrale Patientenaufnahme sowie Untersuchungs- und Behandlungsräume zu schaffen.

Seitenansicht der Kirche und des 2011 fertig gestellten Neubaus des Krankenhauses Barmherzige Brüder München.

Zentren und Zertifizierungen
Das Krankenhaus Barmherzige Brüder München bestand im Januar 2010 erstmals die umfassende Überprüfung seines Qualitätsmanagements und erhielt das Qualitätszertifikat nach der international gültigen Norm „DIN ISO 9001:2008“ in Verbindung mit dem Zertifikat der „proCum Cert“ für konfessionelle Krankenhäuser. Damit war es das dritte Krankenhaus Deutschlands, das die weltweit bedeutende Qualitätsnorm ISO verbunden mit dem erweiterten ethisch-christlichen „Gütesiegel“ proCum Cert erreichte. Jedes Jahr stellt sich das Haus zur Überprüfung seiner eigenen Qualitätsansprüche einem externen Audit und Ende 2015 durchlief das Gesamthaus zum wiederholten Male erfolgreich den Rezertifizierungsprozess und erhielt im Februar 2016 erneut das Zertifikat, gültig bis Ende 2018.

Schon im März 2008 wurde das Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) am Krankenhaus gegründet. Seit Anfang 2014 ist das ZEP ein Department der Klinik für Innere Medizin I – Gastroenterologie. Das Krankenhaus Barmherzige Brüder München trägt die Zusatzbezeichnung Lehrklinik der deutschen Akademie für Ernährungsmedizin und ist damit eine von nur sechs Akutkliniken in Deutschland, die von der DAEM (Deutsche Akademie für Ernährungsmedizin) mit dem Prädikat „Lehrklinik für Ernährungsmedizin“ ausgezeichnet wurde. Zudem ist das ZEP als „Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin“ durch den Berufsverband Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM) zertifiziert.

Im Februar 2009 absolvierte das zuvor gegründete Darmzentrum am Krankenhaus Barmherzige Brüder den ersten Zertifizierungsprozess und wird Mitglied des Tumorzentrums München. Das organisatorisch bei der Klinik für Innere Medizin I und der Klinik für Viszeral- und Allgemeinchirurgie angesiedelte Darmzentrum ist von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert, die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) zertifizierte die Sonographieabteilung der Inneren Medizin I.

Auch das Prostatazentrum der Klinik für Urologie durchlief 2011 das externe Audit zur Zertifizierung durch den DVPZ (Dachverband der Prostatazentren Deutschlands e.V.) und erhielt im Juli 2011 sein Zertifikat. Im Juni 2014 absolvierte das Prostatazentrum erfolgreich den Rezertifizierungsprozess.

Ein weiterer Baustein in der zukunftsorientierten Entwicklung des Krankenhauses Barmherzige Brüder München wurde im Dezember 2012 mit der erfolgreichen Zertifizierung der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie als lokales Traumazentrum innerhalb des Traumanetzwerkes München-Oberbayern Nord gelegt. Zu dem Traumanetzwerk gehören unter anderem das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München und die Städtischen Kliniken. Die Eröffnung und erfolgreiche Zertifizierung des Endoprothetikzentrums der Maximalversorgung EPZmax der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie im April 2014 setzt diesen Entwicklungstrend im Krankenhaus Barmherzige Brüder München weiter fort. Mit dem EPZmax wird die Versorgungsqualität in der Endoprothetik beständig erhalten bzw. verbessert und die Patientensicherheit bei der Implantation eines künstlichen Gelenks erhöht.

Auch 2015 konnten weitere medizinische Bereiche zertifiziert werden, so erhielt das Hernienzentrum Nymphenburg im Juni 2015 der Klinik für Viszeral- und Allgemeinchirurgie das Qualitätssiegel der Deutschen Hernien Gesellschaft und auch die Klinik für Innere Medizin II – Kardiologie, Pneumologie und Notaufnahme konnte mit der Zertifizierung der Chest Pain Unit durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung (DKG) im Dezember 2015 sein Leistungsspektrum erweitern und unter Beweis stellen. Die Klinik für Intensivmedizin bekam 2016 von der Stiftung Pflege e.V. die Auszeichnung „Angehörige jederzeit willkommen“ als angehörigenfreundliche Intensivstation.

 

 

Luftaufnahme von 2012 des Krankenhauses Barmherzige Brüder München mit dem Nymphenburger Schloss im Hintergrund, die die einmalige Lage der Klinik zeigt.