Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

FAQ

Macht man es sich mit der Entscheidung für eine Adipositas-OP zu einfach?

Die Entscheidung für eine Adipositas-Operation erfolgt bei den meisten Patient:innen nach einem sehr langen Leidensweg. Es ist gegenüber konservativen Abnehmversuchen nicht der „einfachere“ Weg, sondern sollte dann erwogen werden, wenn konservative Abnehmversuche nicht zum Erfolg geführt haben.

Wenn Sie sich für eine Adipositas-OP entscheiden, müssen Sie sich im Klaren darüber sein, dass dies auch massive (konsequent durchzuhaltende) Änderungen für die bisherigen Lebensgewohnheiten bedeutet.

Welche Bedingungen müssen für die Adipositas-OP vorliegen?

Für die Behandlung von Adipositas mit Hilfe von chirurgischen Verfahren gibt es in Deutschland eine medizinische S3-Leitlinie:

AWMF-Leitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen"

BMI 35 – 39 kg/m²:

Liegen eine oder mehrere Adipositas-assoziierte Begleiterkrankungen vor (wie z.B. Diabetes mellitus Typ 2, Herzinsuffizienz, Schlafapnoesyndrom (OSAS), gastroösophageale Refluxerkrankung, Asthma, etc.), kann eine bariatrische Operation nach individueller Untersuchung durch einen Arzt ggf. angeboten werden, wenn die konservative Therapie erschöpft ist.

BMI ≥ 40 kg/m²: 

Liegen keine Begleiterkrankungen und/oder Kontraindikationen vor, ist nach Erschöpfung der konservativen Therapie und nach umfassender Aufklärung die Voraussetzung für eine adipositaschirurgische Operation gegeben.

Was bedeutet Multimodales Konzept?

Adipositas ist eine komplexe, chronische Erkrankung, welche entsprechend von verschiedenen Spezialisten behandelt wird. Das Multimodale Konzept (MMK) zur Behandlung der Adipositas sieht zunächst eine multimodale Behandlung vor, bevor eine Operation in Betracht gezogen wird. Diese beinhaltet u.a. Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie sowie Endokrinologie und Innere Medizin.

Wie lange dauert das Multimodale Konzept?

Von der S3-Leitlinie sind mindestens 6 Monate für eine multimodale Therapie gefordert. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder haben Sie durch das Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) die Möglichkeit an einem Programm zur Gewichtsreduktion – das Gruppenprogramm ZEPmax über 12 Monate oder das Einzelprogramm ZEPmax-vari über 6 Monate – teilzunehmen. Wenn Sie mit dem Programm ausreichend Gewicht verlieren, ist selbstverständlich keine Operation notwendig.

Warum ist das Multimodale Konzept so wichtig?

Entscheidend für den Erfolg, das heißt die langfristige Gewichtsreduktion, ist die Kombination verschiedener Therapien. Die Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie ist hier von zentraler Bedeutung. Selbstverständlich werden Sie bei uns hierzu individuell beraten.

Wann muss ich keine multimodale Therapie durchführen?

In Einzelfällen kann eine Primärindikation zu einem Adipositas-Eingriff gestellt werden, ohne dass vorher ein konservativer Therapieversuch erfolgte. Die Primärindikation kann gestellt werden, wenn eine der folgenden Bedingungen gegeben ist und/oder die Durchführung des multimodalen Konzepts nicht möglich ist bzw. der Aufschub der Operation die Prognose der/des Patient:in verschlechtert:  

• bei Patient:innen mit einem BMI ≥ 50 kg/m²
• bei Patient:innen, bei denen ein konservativer Therapieversuch durch das multidisziplinäre Team als „nicht erfolgsversprechend“ bzw. „aussichtslos“ eingestuft wurde
• bei Patient:innen mit besonderer Schwere von Begleit- und Folgeerkrankungen, die keinen Aufschub eines operativen Eingriffs erlauben

Wann zahlt meine Krankenkasse die OP?

In unserer Adipositas-Sprechstunde werden Sie individuell beraten. Entsprechend der Leitlinienempfehlung wird geprüft, ob Sie ein:e Kandidat:in für eine multimodale konservative Therapie sind, welche über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten geht. Erfüllen Sie die Bedingungen für eine Adipositas-OP nach gültiger Leitlinie, können Sie die Operation ohne vorherige Prüfung durch die Krankenkasse bei uns durchführen lassen. Nach der Operation werden wir die Rechnung bei Ihrer Krankenkasse einreichen wie wir es bei jeder anderen stationären Behandlung auch durchführen.

 

Werden die Proteinshakes (Formuladiät) 14 Tage vor der Operation von der Krankenkasse übernommen?

Nein, diese Shakes sind wie Lebensmittel zu sehen und werden daher nicht von der Krankenkasse übernommen.

Wie wird die Operation durchgeführt?

Die Operation wird in der schonenden Technik der „Schlüsselloch-Chirurgie“ durchgeführt. Unser Haus wendet hierfür die modernsten, aktuell auf dem Medizinmarkt verfügbaren Technologien an. Wir führen die Operationen laparoskopisch oder robotisch assistiert (da Vinci Xi) durch. Das sorgt für eine frühe postoperative Mobilisation, da durch die OP-Methode wenig Schmerzen verursacht werden.

Was ist kurz nach der Operation zu beachten?

Unmittelbar nach der Operation wollen wir eine schnelle Mobilisation erreichen, um Lungenentzündungen und Thrombosen zu vermeiden. Zudem wird der Kostaufbau unter engmaschiger Anleitung der Ernährungsberatung durchgeführt.

Was ist langfristig nach der Operation zu beachten?

Für den langfristigen Erfolg nach der Operation ist eine lebenslange Nachsorge unverzichtbar und ein fester Bestandteil der Therapie. Wir empfehlen Ihnen dringend die regelmäßige Einnahme von Supplementen, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Wie lange muss ich nach der Operation in stationärer Behandlung bleiben?

Je nach Verfassung bleiben Sie 3-4 Tage stationär bei uns.

Ab wann kann ich wieder Sport betreiben?

Spazieren gehen ist unmittelbar nach Operation während des stationären Aufenthalts möglich und erwünscht. Nach der Entlassung sollten die Gehstrecken regelmäßig gesteigert werden. Nach 4-6 Wochen können alle Arten von Sport gemacht werden - inklusive Kraft- und Ausdauersport.

Ab wann kann ich wieder arbeiten?

Je nach körperlicher Verfassung können Sie grundsätzlich nach abgeschlossenem Kostaufbau (ca. 14 Tage) arbeiten gehen. Mit schwerer körperlicher Arbeit sollten Sie bis 4 Wochen nach der Operation warten.

Wann darf ich nach der Adipositas-OP schwanger werden?

Wir empfehlen Ihnen dringend, ca. 2 Jahre nach der Operation mit einer Schwangerschaft zu warten. Sie minimieren damit die Risiken für sich und Ihr ungeborenes Kind. 

Welche Medikamente sollten nach einer Adipositas-OP vermieden werden?

Magenschleimhaut-schädigende Medikamente, wie z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Aspirin und codeinhaltige Medikamente sollten dringend vermieden werden. Auf Alkohol und Zigarettenrauch sollte ebenfalls verzichtet werden, da auch diese Substanzen die Magenschleimhaut schädigen können.

Werden die Kosten für die empfohlenen Multivitaminpräparate (z.B. fitforme) von der Kasse übernommen?

Leider nein, diese müssen von Ihnen bezahlt werden und sind nicht erstattungsfähig.